Der Rattenschwanz der internationalen Arbeitsteilung wird immer länger. War bis vor ein paar Jahren das Offshoring in Richtung Indien oder Osteuropa zumindest im Softwaresektor noch das Nonplusultra, so gibt es jetzt mit Nordkorea einen neuen Player, der sich in die lange Reihe der internationalen Arbeitsteilung einreiht. Die Firma Nosotek ist ein Joint Venture zwischen einer westeuropäischen Firma und der einer staatlichen Organisation der Volksrepublik Nordkorea. Die Gesellschaft hat offenbar Zugriff auf die Elite der nordkoreanischen Mathematiker und Programmier. Da kommunistische Regierungen eine lange Tradition für eine gute Schulbildung und gute Universitäten haben und das Lohnniveau in Nordkorea bekanntermaßen nicht das höchste ist, dürfte von der Firma Nosotek in Zukunft sicher noch einiges zu hören sein. Übrigens ist Nordkorea bei “Software” schon jetzt ein Exportland. Es wissen vielleicht die wenigsten, aber Nordkorea exportiert Zeichentrickfilme. Hier würde mich einmal interessieren, wie die Hollywood-Studios die Abrechnung organisieren. Vermutlich steht auf den Filmen immer “Made in China”
Stichworte: Nordkorea NosotekArchiv für 11. April 2008
Ein lupenreines Long Tail-Geschäftsmodell, dass absolut den Sonderpreis “Rattenschwanz der Woche” verdient hat, weist “Julie & Grace” (Blog) auf. Hier kann man sich nach Herzenslust Schmuckstücke selber entwerfen und diese werden dann von dem kreativen Star-up auf Bali gefertigt und dem Kunden zugeschickt. Wollte man dieses emotionsgeladene Geschäftsmodell auf etwas profane Art und Weise beschreiben, dann würde man sagen Julie & Grace sei eine Art Spreadshirt für Schmuck. Genau wie die Shirt-Schmiede setzen auch die Hamburger auf das intelligente Outsourcen des Vertriebes. So genannte Botschafter können (offline) Tupperware-mäßig neue Kunden gewinnen und am Umsatz partizipieren. Kreative Schmuckdesigner können ihre Entwürfe auf einem eigenen Marktplatz zum Kauf anbieten. Hier wird Julie & Grace zu einem waschechten Business-Enabler für die Schmuckdesigner. Geschäftsmodelle dieser Art haben sicher eine gigantische Zukunft. Skalierbarkeit und Internationalisierungspotential ist gegeben. Auch die geschickte Ausnutzung der internationalen Arbeitsteilung ist sehr sympathisch gelöst. Produziert wird in Bali, weil es da eine traditionell kompetente Schmuckindustrie gibt und die Gründer gerne surfen. Angesichts des Erfolges von gallerryy.net sage ich auch Julie & Grace eine große Zukunft voraus. Ganz sicher wird es den Gründer nicht schwer fallen, Kredite der Hausbank zu bekommen oder motivierte Business-Angel zu finden. Das ganze hat einfach zu viel Sexappel: sympathisches Businessmodell, Long Tail-Appeal, Mass-Customisation. Das klingt doch wie Musik in den Ohren der Schlippsträger.
Aktuelle ist übrigens ein interessantes Interview mit Julie & Grace im Interview-Blog zu lesen!
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