Die Musikindustrie hat den Long Tail nicht verstanden!
Geschrieben von: admin, in Allgemein |Letzte Woche landete in Firma x ein Schreiben von einem renommierten Anwalt y, der die bekannten Plattenfirma z vertritt. Darin wurde x gebeten, einem offenbar völlig durchgeknallten Webmaster w aus dem Affiliate-Programm zu kegeln. Der Grund: w bietet auf seiner Webseite illegale Musikdownloads an. Weil w offenbar so notorisch für kostenlose Downloads eintritt, will die Musikindustrie scheinbar jetzt dem w die Werbeeinnahmen abdrehen. Das Ansinnen der Musikindustrie spiegelt so etwas wie Verzweifelung wider, und ist die Folge von Versäumnissen, die Jahre zurückliegen. Das Versäumnis der Plattenlabels war, dass der Long Tail nicht verstanden wurde.
Durch die illegalen Tauschbörsen im Internet war plötzlich Musik online verfügbar und wurde heruntergeladen. Natürlich verzichtete der eine oder andere Musikfan auf das Kaufen der Musik. Gleichzeitig gab es Untersuchungen, die andererseits belegten, dass die Nutzer von Tauschbörsen überdurchschnittlich viel Geld für Musik ausgaben. Es wurde also andererseits Probe gehört und dann gekauft. Das Risiko eines Fehlkaufs wurde also minimiert. Also stifteten die Börsen auch Nutzen im Sinne der Plattenindustrie.
Beide Phänomene sind aber gar nicht das Problem der Musikindustrie. Diese ist einerseits nicht auf das Bedürfnis eingegangen, dass ihre Kunden ihre Musik online beziehen wollte. Wie soll man aber einen MP3-Player mit einer CD bestücken? Hier hätte die Musikindustrie einfach nur das machen müssen, was die Pornoindustrie von Anfang an gemacht hat, nämlich Inhalte online verkaufen. Die Sexindustrie hat gezeigt, dass es geht.
Ein zweiter Punkt – und jetzt kommt der Long Tail ins Spiel – ist der, dass die Tauschbörsen in gigantischem Umfang Musik bereitstellte, die es in normalen Musikgeschäften gar nicht mehr gab. Diese Musik hätte allenfalls bei amazon & Co. online gekauft werden können, aber auch dann nur auf CD.
Hierdurch wandelte sich der Musikgeschmack, hin zu Nischen, zurück zu Oldies etc. Es wurde also plötzlich anders Musik konsumiert. Dies ging zu Lasten des Hit getriebenen Musikbusiness. In einem CD-Laden können halt nur die Mainstream-Sachen verkauft werden, weil der Regalplatz knapp ist.
Fazit: Das Phänomen der Tauschbörsen vor allem mit rechtlichen Mittel anzugehen, gleicht dem Kampf gegen Windmühlen. Die Majors im Musikbusiness hätten gleich das tun müssen, was Apple später tat. Und es hätte von heute auf morgen der ganze Katalog an Musik online gestellt werden müssen. Auf diese Weise hätte man zwar das Abwandern der Fans von der Top10 noch weiter beschleunigt, dafür aber das Vermögen an Inhalten aus der Vergangenheit sehr viel besser verzinst.

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6. Mai 2007 23:29
Kann ich ja nur zustimmen
Das Musikangebot auf Napster damals war ja unglaublich gross, weil eben jeder seine Musik bereitgestellt hat. Erst sehr viel später kam ja dann iTunes, wobei natürlich die Frage wäre, ob denn der Umfang des Angebots bei Napster nicht doch noch größer war (da auch unveröffentlichte oder “verstaubte” Tracks dort zu finden waren).
19. Mai 2007 22:05
[…] dieser Stelle habe ich ja bereits darüber berichtet, dass die Musikindustrie die Konsequenzen des Long Tails […]
24. Mai 2007 20:42
[…] richtige Antwort auf die Probleme der Musikindustrie, die ja bekanntlich mit dem Long Tail so ihre Schwierigkeiten hat. Stichworte: Interview Blog […]