Am letzten Samstag erhielt auch ich eines dieser etwas befremdlichen Zalando-Pakete, in denen nichts anderes war als ein Anschreiben mit der Motivation eine zu diesem Zeitpunkt noch nicht funktionierenden Urls aufzurufen.

Ein Anruf bei Zalando brachte auch keine Aufklärung. Vielmehr wurde ich aufgefordert, das Paket zurückzusenden. Eine Bestellnummer konnte ich freilich nicht angeben, weil ich ja nichts bestellt hatte. Die Telefondame wollte aber dennoch, dass ich das Paket zurückschicke. Weil Zalando aber leider kein ERETURN anbietet, verzichtete ich und hinterließ nur meine Mobilfunknummer, um wegen einer anderen Geschichte mal mit dem Marketing zu telefonieren.

Für mich war die Sache auf jeden Fall klarer, als für die vom Marketing nicht informierte Telefondame, die sich sicher war, dass es nur ein Fehler sein könne.

Das ganze ist ein Linkbait.

Da die Sache doch einigermaßen groß angelegt ist, kann es nicht schaden, sich einmal mit der Ökonomie dieses Linkbaits auseinanderzusetzen.

Dem Rauschen im Twitterwald nach zu urteilen, sind vermutlich so gefühlte 100 Blogger mit leeren Paketen beschickt worden. Was nebst Verpackung so 500 Euro kosten sollte. Dazu werden Schuhe im Wert von rund 3800 Euro rausgehauen, die sicher für knapp die Hälfte beschafft werden können durch Zalando. Das macht also Kosten von rund 2000 Euro. Gehälter für die sicher in Heerscharen vorhandenen Kräfte, die ein Marketing-Praktikum bei Zalando bestreiten, nicht eingerechnet.

Bis zum 9. August 2010 können nun Blogpostings geschrieben werden, in denen auf das Lieblingspaar Schuhe verlinkt werden muss. Den Kommentaren bei Zalando nach zu urteilen, dürften schon jetzt rund 350 Links generiert worden sein und zwar auf die Produktebene, wo es sonst recht mühsam ist, so viele Links zu generieren, wie man sie gerne hätte.

Bis zum 09. August sollten es dann sicher über 1000 Links sein. Das wären dann Kosten pro Link von rund zwei Euro. Das dürfte als spottbillig betrachtet werden. Sofern die 1000 Blogpostings dann noch je 100mal gelesen werden im Schnitt, dann hat man auch noch jede Menge Branding on top. Das Geld ist also exzellent angelegt.
[Umdate 29.07.2010]Angesichts dieser hohen Zahl an verweisenden Webseiten, werden sich vermutlich auch hier und da mal Spontankäufe einstelle und auch Käufe von Leuten, die bisher nicht einmal wußten, dass man Schuhe auch im Internet kaufen kann. So gesehen, käme man vermutlich selbst ohne steigende Positionen in den Serps positiv aus der Nummer raus.[Update Ende]

Ob es aber sinnvoll ist, derart öffentlich Links in diesem Umfang für jeden nachvollziehbar einzukaufen, auch wenn man es als Gewinnspiel tarnt, ist eine andere Sache. Es würde mich nicht wundern, wenn da der eine oder andere Neider oder Mitbewerber das eine oder andere Google-Formular ausfüllt.

Da ist der aktuelle Link******-Linkbait doch viel diskreter…

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Eine Antwort zu “Ökonomie des zalando-Linkbaits”

  1. Die Linksau says:

    Ein wenig seltsam mutet mich die Sache mit den leeren Paketen schon an - schön, dass ich keines erhalten habe ;-)
    Ob das Ausfüllen eines Formulars etwas nützt? Grundsätzlich hat sich die Sache aus meiner Sicht jedenfalls gelohnt. Nur die negative Konnotation der “leeren Pakete” und teils damit verbundenen Umstände ist unschön…

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