In einem Interview mit der Wiwo schreit der Deutschland-Chef von Sony BMG Edgar Berger förmlich nach dem Staat, damit illegale Downloads von Musik unterbunden werden. Der Beitrag ist mit der Forderung überschrieben „Internet-Piraten abklemmen“. Diese Forderung ist sicher völlig unverhältnismäßig. Der Aufwand für den Staat steht in keinem Verhältnis zu dem Nutzen, der aus solchen Maßnahmen zu erwarten wäre.
Das Problem ist ein ganz anderes. Unzählige der heruntergeladenen Musikstücke werden vom von der Musikindustrie gar nicht mehr oder nicht hinreichend angeboten, weil diese nicht mehr aufgelegt werden. Es geht also um alte Musikstücke.

Die Musikindustrie muss sich also an die eigene Nase fassen und der suboptimalen Marktversorgung mit Musik ein Ende setzen. Wenn der Staat gefordert ist, sollte dieser vielmehr ein Grundrecht auf Musik im Grundgesetz festschreiben. Im Grundgesetz steht ja schon die Forderung „Eigentum verpflichtet“. Dieser Regel muss die Musikindustrie erst einmal nachkommen. Wer Musikrechte einfordert, muss gezwungen werden, die Musikstücke auch zum (entgeltlichen) Download im Internet bereitzustellen.

Hier ein kleines Beispiel: Ich habe heute einmal stichprobenhaft nach Liedern der Raggae-Band Chalice gesucht. Diese gesuchten Songs habe ich noch auf Vinyl in den 80er Jahren käuflich erworben. Weder auf musicload noch auf iTunes habe ich die entsprechenden Downloads gefunden. Sofern ich die Songs online herunterladen wollte, würde ich ja förmlich in die Illegalität gezwungen. Andersherum nimmt sich die Musikindustrie selber Einnahmeoptionen. Die durch das Internet und den Long Tail möglich werdenden Businesspläne hat die Musikindustrie einfach noch nicht verinnerlicht.

Meine Vorschläge an Herrn Berger:

1. Schreien Sie nicht nach dem Staat
2. Verkaufen Sie ihren gesamten Back-Katalog über das Internet, denn Eigentum verpflichtet
3. Entwickeln Sie mehr Phantasie in Richtung neuer Vermarktungskonzepte wie dies z.B. Sellaband oder Slicethepie tun.

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